Professor Kaoru Yamaguchi, PhD, wurde im Rahmen der World Expo Osaka mit dem Friede-Gard-Preis für Nachhaltige Ökonomik 2025 ausgezeichnet. Die feierliche Übergabe der Preisurkunde erfolgte im Rahmen einer kleinen Zeremonie im Deutschen Pavillon durch Professor Klaus Helling vom Umwelt-Campus Birkenfeld. Helling war nach Japan gereist, weil der Umwelt-Campus Birkenfeld als einer von 16 Themengebern des Deutschen Pavillons im Bereich der „Circular City Gallery“ dabei ist. Der Umwelt-Campus Birkenfeld präsentiert sich auf der Weltausstellung als Reallabor für Klimaneutralität und gelebte Nachhaltigkeit. Bei der Urkundenübergabe in der Lounge des Deutschen Pavillons war auch dessen Direktor Christopher Hecker dabei.
Professor Yamaguchi wurde für seine herausragenden wissenschaftlichen Beiträge zur Nachhaltigen Ökonomik geehrt, insbesondere für seine Modellierungen einer alternativen Geldordnung, des sogenannten Public Money (Vollgeld). International bekannt geworden ist Yamaguchi durch die Anwendung der System Dynamics-Methode auf verschiedene wirtschaftswissenschaftliche Theorien und deren Analyse im Hinblick auf Stabilität und Krisenanfälligkeit.
Professor Yamaguchi wurde im Detail für folgende, maßgebliche Beiträge ausgezeichnet:
- den ausführlichen Nachweis der Instabilität der aktuellen Kredit-Geldordnung (sowohl im neoklassischen als auch im keynesianischen Rahmen);
- die Modellierung eines Public Money-Systems mithilfe seiner „Accounting System Dynamics“ (ASD) -Methode, für die er ein System der doppelten Buchführung in die System Dynamics Method von Forrester integriert hat, womit die buchhalterische Konsistenz aller Transaktionen sichergestellt ist;
- die Demonstration des störungsfreien, praktikablen Übergangs vom derzeitigen Schuldgeldsystem zum Public Money in seinem Modell;
- das Konzept und die Modellskizze für MuRatopia/Green Village, einer nicht nur ökonomisch sondern auch sozial nachhaltigen Wirtschaftsordnung.
Diese Modelle werden als tragfähige Basis für eine konstruktive Diskussion und Anregung für die fruchtbare Weiterentwicklung hin zu einer Nachhaltigen Ökonomik angesehen.
Die Preisverleihung wurde abgerundet durch eine ausführliche Würdigung von Preisträger und Werk am 18. Oktober. Einleitend begrüßten Prof. Dr. Dirk Löhr, der am Umwelt-Campus das Fach Ökologische Ökonmie vertritt, der Dekan des Fachbereichs Umweltwirtschaft/ Umweltrecht, Prof. Dr. Klaus Helling, sowie der Stifter, Gerd Schuster die Teilnehmer.
Danach gab Prof. Dr. Joseph Huber, ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Geldordnungen. eine Einführung in das Thema „Vollgeld“ („Public Money“) mit Kontrastierung zum derzeitgen Kreditgeld-System (Schuldgeld).
Es folgte die Laudatio druch Prof. Steve Keen, PhD, den Preisträger von 2022, unter besodnerer Würdigung der ASD-Methode.
In seiner Preisträgerrede legte Professor Yamaguchi ausführlich seinen wissenschaftlichen und akademischen Werdegang für ein allgemeines Publikum dar.
Nach dem Promotionsaufenthalt an der University of California, Berkeley, wo er bei drei Nobelpreisträgern studierte, wendete sich sein Weg, als er die System Dynamics Methode von Jay Forrester entdeckte. In der Folge ergänzte er diese Methode durch die Implementierung einer doppelten Buchführung (zu der von ihm als „Accounting System Dynamics“ bezeichneten Methode). Damit untersuchte er das dynamische Verhalten einer Wirtschaft, sowohl im Rahmen einer neoklassischen als auch einer keynesianischen Geldordnung. Seine Ergebnisse zeigten die inhärente Instabilität beider Systeme, d.h. die Neigung zu Konjunkturzyklen mit überschießender Kreditgewährung in der Hochphase und Kreditklemmen in der Rezessionsphase. Auf der Suche nach besseren Geldordnungen stieß er auf die Vorschläge von Professor Irving Fisher aus den 1930er Jahren. Ihm gelang die Weiterentwicklung und Modellierung dieser Ideen auf die heutigen Gegebenheiten. Im Ergebnis erweist sich die Wirtschaft auf Basis dieser Geldordnung als nachhaltig.
Er hat außerdem weitere Ideen zu anderen Aspekten einer nachhaltigen Wirtschaft beigesteuert, u.a. das Konzept samt Modellskizze für ein ‚Green Village‘, von ihm MuRatopia genannt, für soziale Nachhaltigkeit.
-> Preisrede_Teil 1a
-> Preisrede_Teil 1b
-> Preisrede_Teil 2a
-> Preisrede_Teil 2b
In seinerm Seminar für ein fachlich vorgebildetes Publikum, das nach einer kurzen Pause folgte, gab Professor Yamaguchi einen intensiven Einblick in seine Modellierung und demonstrierte mit Simulationsläufen, wie gut diese die Wirtschaftsentwicklung in Japan und den USA mit ihren Hochs und Tiefs nachbilden und wie sich eine Wirtschaft mit Public Money als nachhaltig herausstellt..
Ein Vortrag vom Stifter, Gerd Schuster, schloss das Seminar ab. Er zeigte, wie die Kombination von Public Money mit einer Kreislaufwirtschaft Synergien in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft entwickelt. Anhand eines kleinen Modells zeigte er, wie der Übergang von der heutigen Wirtschaft mit umweltzerstörender Rohstoffgewinnung zu einer umweltneutralen Kreislaufwirtschaft bewerkstelligt werden könnte.
Eine Diskussion der Vorträge mit kritischen Nachfragen der Teilnehmer rundete die Veranstaltung ab.
-> Q&A
Die Aufzeichnung der Preisverleihung und der Beiträge des Seminars sind auf Youtube unter dem Stichwort „Friede-Gard-Preis“ abrufbar.